foerster-kreuzAnja Förster und Peter Kreuz haben einen Bestseller mit dem eingängigen Titel „Hört auf zu arbeiten!“ geschrieben. Für Lazy Literature haben sie dennoch etwas Zeit gefunden, ein paar Fragen zu beantworten. (Foto: Copyright Anja Förster und Peter Kreuz)

Wie kamen Sie beide auf die Idee, ein Buch über die Arbeit zu schreiben?

PETER KREUZ: Das Thema Arbeit ist für uns ein echtes Herzensthema, mit dem wir uns bereits seit mehr als zehn Jahren beschäftigen. Unsere Mission ist es, Denkmauern einzureißen. Denn wir sind davon überzeugt, dass die lebenslange Verurteilung zur Festanstellung mit gemeinschaftlicher Unterbringung in Bürozellen im Tausch gegen Loyalität und Gehorsam keine Option mehr ist. Mit unserem Buch wollen wir Überzeugungsarbeit leisten und Menschen Mut machen, dass eine andere Art zu leben und zu arbeiten möglich ist.

Wie kam es zu dem Titel „Hört auf zu arbeiten!“?

ANJA FÖRSTER: Arbeit hat kein gutes Image. Für viele Menschen ist es ein Raub von Lebensqualität. Und weil viele glauben, dass daran nichts zu ändern sei, lassen sie sich auf ein Tauschgeschäft ein: Arbeitskraft gegen Geld. Aber wenn das der Deal ist, dann ist es widersinnig, seine mangelnde Freiheit zu beklagen. „Hört auf zu arbeiten!“ bedeutet: Nehmt Eure Freiheit an, hört auf zu jammern und verändert etwas zum Besseren.

Was würden Sie einem jungen Menschen sagen, der davor steht, ein Studium zu beginnen oder eine Ausbildung zu starten?

ANJA FÖRSTER: Folge Deinem Herzen und betrachte alle Ratschläge – auch diesen hier – kritisch. Denn was unser System jungen Menschen viel zu oft suggeriert ist folgendes: Pass dich an, mach was von dir erwartet wird und das System wird dich belohnen mit wohlverdienter und fairer Arbeitsplatzsicherheit. Das Problem ist nur, dass dieses Versprechen nicht mehr gilt.

PETER KREUZ: Und was ebenso schmerzhaft ist: Es gibt einen verdammt hohen Preis, den man für die Anpassung zahlt – und das ist die eigene Austauschbarkeit. Deshalb geht es heute und in Zukunft viel mehr darum, zu sein, wer man ist, sein ganz persönliches Potenzial zu entfesseln und seine individuellen Talente zur Geltung zu bringen.

Hätten Sie sich damals, als Sie selbst vor der Herausforderung standen, einen Beruf zu wählen, ein Buch wie Ihres gewünscht und falls ja, hätten sich Ihre Entscheidungen geändert?

ANJA FÖRSTER: Na klar hätten wir uns unser Buch als Berufsanfänger gewünscht. Hätte es etwas verändert? Auf jeden Fall. Wir wären sehr viel weniger den Wünschen anderer gefolgt und hätten sehr viel früher das getan, was wir heute tun. Aber egal, die wenigsten wirklich guten Sachen im Leben kommen auf dem direkten und schnellen Weg.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit, da Sie das Buch ja zu zweit geschrieben haben?

PETER KREUZ: Hervorragend! Wir schreiben ja nicht nur seit zehn Jahren Bücher zusammen, sondern leben als Paar zusammen und lieben uns und das, was wir tun. Wir hören oft die Frage, wie wir in einer solchen Konstellation Arbeit und Privatleben überhaupt trennen können. Das ist aus unserer Sicht irreführend, denn es legt den Schluss nahe, dass Arbeit und Privatleben strikt voneinander getrennt werden müssen. Das sehen wir anders. Natürlich ist es wichtig, sich neben der Arbeit auch Zeit für das Ausruhen zu nehmen. Dabei muss Ausruhen aber nicht zwangsläufig Nichtstun bedeuteten. Oftmals tut eine Veränderung ebenso gut wie eine Ruhepause. Der Wechsel von einer Tätigkeit zur anderen wirkt auf uns sehr erfrischend und inspirierend. Wenn wir uns zum Schreiben in unser Landhaus nach Frankreich zurückziehen, planen wir die Tage so, dass wir das Schreiben und die Recherche (bezahlte Arbeit) mit anderen Dingen wie Gartenarbeit und Kochen (Hausarbeit) mischen. All das ist Arbeit. Aber die Mischung verschiedener Arten von Arbeit macht sie für uns zum Vergnügen. Und wir achten darauf, auch Zeit für Erholung und Sport freizuhalten. Ein Mittagsschläfchen nach einem guten Essen oder eine Segelpartie auf unserem Boot sind für uns Glück pur.

Sie halten gemeinsam zahlreiche Vorträge. Wie dürfen sich Ihre Leser diese vorstellen und was gefällt Ihnen am besten daran?

ANJA FÖRSTER: Bücher sind für uns nur eine Möglichkeit, um Menschen zu zeigen, dass Leben und Arbeiten im 21. Jahrhundert auch anders geht. Unsere Vorträge geben uns die Chance, direkt zu den Menschen zu gehen und nicht nur zu ihnen zu sprechen, sondern mit ihnen in einen Dialog zu treten, sie zu inspirieren und ihnen Mut und Lust zu machen, sich von gewohnten Wegen und ausgetrampelten Pfaden zu verabschieden.

Was für neue Projekte stehen an, auf die sich Ihre Leser freuen können?

PETER KREUZ: Für diesen Sommer eine Serie von kurzen Videos.

Möchten Sie Ihren Lesern noch etwas mitteilen?

ANJA FÖRSTER: Sucht die Chance, nicht die Hindernisse! Brecht die Regeln! Gebt mehr als ihr nehmt! Tut, was ihr liebt! Lasst alles andere sein! Seid besser die erstklassige Version von Euch selbst, als die zweitklassige Kopie von irgendjemand anderem.

Vielen Dank für das Interview.

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