Cécile Béran ist Teil des KAZÉ-Verlags, der sich inzwischen schon auf dem Manga-Markt in Deutschland etabliert hat. Im Zug der Leipziger Buchmesse 2012 ergab sich eine ruhige Minute, in der sie Lazy Literature einige Fragen beantwortete. (Foto: links Cécile Béran, rechts Julia Weisenberger)

Danke, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben.
KAZÉ ist noch sehr jung. Wie kam es zu der Gründung?

Es ist etwas kompliziert. KAZÉ gehört als Label zu VIZ Media Switzerland, dieses wiederum zu VIZ Media Europe. Und VIZ Media Europe gehört einem Konsortium von Verlagen, zu denen Shueisha, Shogakukan und andere zählen. VIZ Media kümmert sich dabei um die Vermarktung. KAZÉ ist das Anime- und Mangalabel. Es gibt KAZÉ Anime und KAZÉ Manga.

Der Verlag heißt also VIZ Media Switzerland, das Label KAZÉ Manga oder KAZÉ Anime.

Wie kam es zu den fünf Titeln, mit denen KAZÉ ins Mangageschäft eingestiegen ist – „Akuma to Love Song“, „Toriko“, „Blue Exorcist“, „Midnight Secretary“ und „Nura“?

Dadurch, dass wir zu diesem großen Verlagskonsortium gehören, haben wir einen vereinfachten Zugang zu den Manga, müssen uns aber nichtsdestotrotz dafür bewerben, wie auch die anderen deutschen Manga-Verlage. Wir erhalten keine automatische Zusage für Titel, die uns interessieren.

Zu den fünf Titeln kamen wir, weil wir sie sehr gut finden. Da wir mit Egmont einen starken Vertriebspartner haben, müssen wir nicht unbedingt zwanzig Titel herausgeben, damit wir in die Buchhandlungen kommen. Das ist von Vorteil, weil wir uns auf die Titel konzentrieren können, von denen wir glauben, dass sie gut funktionieren werden. Wir bemühen uns, die gesamte Bandbreite an Lesern zu bedienen. Bei unserem Bestseller „Blue Exorcist“ beispielsweise wissen wir, dass er die breiteste Zielgruppe hat. „Toriko“ hingegen ist ein reiner Jungenmanga. „Midnight Secretary“ ist etwas für junge Frauen, da es in der Arbeitswelt spielt; und natürlich surfen wir damit auch ein wenig auf der Vampirwelle. Das klassische Highschool-Setting haben wir mit „Akuma to Love Song“. „Nura“ spricht wiederum die Fantasy-Fans an, die aus Jungen und Mädchen bestehen.

Wir bedienen also die gesamte Palette und haben nicht vor, uns auf eine bestimmte Sparte zu konzentrieren. Wir möchten die Titel herausbringen, von denen wir glauben, dass sie gut funktionieren – unabhängig vom Genre.

Wie sind Sie persönlich dazu gekommen, dass Sie jetzt im Vertrieb für KAZÉ arbeiten?

Das hat sich so ergeben. Ich gehöre zu der Firma seit ihrem Entstehen hier in Deutschland. Am Anfang war es eine Schweizer Firma. Ein Freund von mir ist nach Deutschland gekommen, um hier eine Filiale zu gründen. Dieser Freund war mein Mitbewohner. Als er zurückkam in die Schweiz, fragte er mich, ob ich den Übergang abdecken wolle, bis der nächste seine Stelle einnehmen würde. Der nächste kam dann zwar, aber am Ende bin ich geblieben. Ich habe alles gemacht – Akquise, Lager, Vertrieb, Rechnungswesen. Mittlerweile sind wir zwanzig Mitarbeiter, und ich habe mich seit 2003 um die Presse und das Marketing gekümmert. Am Anfang bedeutete das hauptsächlich, Kontakte zu den Fans aufzubauen bzw. die Fans haben zu uns Kontakt aufgenommen.

Warum gerade Manga?

Ich komme ja aus der Schweiz, wo ich mit Anime und Manga aufgewachsen bin. Damals liefen viele Anime im Fernsehen, wie „Lady Oscar“, „Georgie“, „Maison Ikkoku“, „Saint Seiya“ und „Dragonball“. Das gehört zu meinem Werdegang. Manga habe ich erst spät kennen gelernt. Als das Angebot kam, war ich daher sehr erfreut und habe sofort zugesagt, diese Arbeit zu übernehmen.

Haben Sie Lieblingstitel aus dem Anime- und Manga-Bereich?

Von unseren fünf Titeln kümmere ich mich um „Akuma to Love Song“, „Toriko“ und „Midnight Secretary“. Ich habe „Midnight Secretary“ auf französisch schon komplett gelesen und finde die Heldin sehr tough und kompetent. Von allen fünf bisherigen Titeln von KAZÉ mag ich „Blue Exorcist“ sehr gerne und von den Anime mag ich „Summer Wars“ und „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ am liebsten.

Wie arbeiten Sie mit den japanischen Verlagen zusammen?

Im Animebereich sind sie definitiv kulanter. Manga sind ihr Kerngeschäft und damit ist es fast schon heilig. Anime sind eher Merchandise. Wir sind ein junger Verlag, daher schauen sie uns sehr genau auf die Finger, ob wir alles richtig machen.

Wenn man ein Angebot abgibt, muss man ein Marketing-Konzept abgeben, bei dem sie ein Veto-Recht haben. Danach geht es zur Umsetzung, wie der Planung eines Events oder eines Aufstellers oder ähnlichem. Das wird wieder zur Abnahme nach Japan geschickt. Erst nach einem ausführlichen Hin und Her wird alles abgenommen. Es ist aber nachvollziehbar, da sie damit ihr Geld verdienen. Bei Anime hat man es mit einem Komitee zu tun. Bei den Manga fragt man direkt beim Autor nach. Die Lizenzen liegen bei ihm. Er hat die Rechte an seinem Werk, und die Japaner achten sehr penibel auf das Copyright.

Wie ist die Arbeit mit der Presse, vor allem was die neuen Titel angeht?

In der Presse sind wir schon bekannt dank der Anime-Titel. Für die reine Buchpresse müssen wir das alles aber noch aufbauen. Wir sind in der Marketingabteilung zu dritt, daher haben wir alle sehr viel zu tun.

Momentan sind die E-Books auf dem aufsteigenden Ast. Wie sieht es bei Ihnen damit aus?

Das ist noch nicht spruchreif, da die Japaner bei den neuen Medien sehr zurückhaltend sind. Carlsen und Egmont haben bereits Angebote, aber bei uns wird das noch ein wenig dauern.

Wie halten Sie, wenn Sie nur drei Leute sind, den Kontakt mit den Lesern?

Wenn wir Leserreaktionen erhalten, bekommen wir sie auf die Schreibtische, ja. Wir sind sehr neugierig, was die Leser sagen. Das Problem ist manchmal, dass wir die Kritik nachvollziehen und verstehen können, aber das nicht unbedingt heißt, dass wir etwas ändern können, sofern es nicht der Geschäftsstrategie entspricht. Bei den Manga könnten das beispielsweise Schriftarten oder ähnliches sein, die manchen Lesern nicht gefallen.

Am lautesten sind leider meist die Unzufriedenen. Man sollte jedoch im Kopf behalten, dass viele zufriedene Käufer nichts sagen. Dies sieht man dann, wenn man sich die Verkaufszahlen anschaut.

Lesen Sie auch gerne in der Freizeit? Falls ja, zu was greifen Sie gerne?

Ich lese gerne franko-belgische Comics und Belletristik, tue mich aber mit deutscher Belletristik schwer. Ich verwende noch zu viel Energie darauf, zu verstehen, wie etwas gemeint ist, weshalb ich lieber auf französisch lese. So richtige Lieblingsautoren habe ich nicht, lese aber gerne auf Empfehlung Titel.

Was kommt in der Zukunft auf die Leser von KAZÉ zu?

Wir versuchen weitere Titel zu bekommen. „Resident Evil“ ist schon erschienen, „Kämpfer“ von Yuu Tachibana und Toshihiko Tsukiji kommt im Oktober, wie auch „Iris Zero“ von Piroshiki und Takana Hotaru.

Dann dürfen wir uns auf viel Action und spannende neue Manga freuen. Vielen Dank!

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