Wie Comicfans wissen, findet im zwei Jahres-Turnus mit Erlangen das Comicfestival in München statt. Da sich in diesem Jahr unglaublich viele Jubiläen ereignen, gab es natürlich einiges zu sehen und erleben.


Comicfestival 2017 München hatte strahlenden Sonnenschein im Gepäck, was sich natürlich wunderbar für die vielen ausländischen Gäste eignete, denen sich die Hauptstadt mit Biergartenwetter im schönsten Gewand zeigte. Wie praktisch, dass sich hinter der Alten Kongresshalle gleich ein ebensolcher befindet, umgeben von Kastanienbäumen.

Comicfestival2017-Peters-Marini

Martina Peters (li.) und Enrico Marini (re.) am Stand von Carlsen Comics

Viele große Künstler waren angereist, von denen mich persönlich Enrico Marini am meisten interessiert hat. Daher stand es hoch auf der Tagesordnung, mich in den Reihen anzustellen, die sich für ihn gebildet hatten. „Die Adler Roms“, „Raubtiere“, Gipsy“ und „Der Stern der Wüste“ sind die aktuellen Reihen, die Fans großartiger Zeichnungen sich nicht entgehen lassen dürfen. Auch meine Bekannten und Freunde waren vor Ort, u.a. Martina Peters, die als „das Gesicht des deutschen Manga“ Teil des Comicfestivals war.

Es gab ein großes Hallo mit dem Übersetzer Horst Berner, dem Akim-Experten Peter Kronhagel und seiner Frau Gaby, und Achim Dressler vom Bocola-Verlag, an dessen Stand auch Axel M. Wulff war, der ein Experte für Parodien und Bezugnahmen auf „Prinz Eisenherz“ von Hal Foster ist. Detlef Lorenz, der für Bocola Vorworte für die Tarzan-Sonntagsbände verfasst, gehörte ebenfalls zu der Riege der Experten, die sich auf das Comicfestival gefreut hatten.

Zu Bestaunen und Bewundern gab es diverse Ausstellungen. Unter anderem gab es Zeichnungen von Ralf König zu betrachten, aber auch Briefmarken im Comicdesign und verschiedene Sonderdrucke der Post. Isabel Kreitz, deren Graphic Novels wie „Haarmann“ oder „Rohrkrepierer“ ihr bereits einige Preise eingebracht haben, Uli Oesterle mit seinem berühmten Hector Umbra und Klaus Voormann, der fünfte Beatle, dessen Schallplattencover zu „Revolver“ ihm Weltruhm einbrachte, erhielten ebenfalls Ausstellungen, die man genießen konnte.

Diverse Vorträge feierten z.B. 50 Jahre Carlsen, bei dem man sich als eine der wenigen weiblichen Zuhörerinnen schon mal das Grinsen verbeißen durfte, wenn von „Manga-Mädels“ die Rede war, die nur einen Atemzug davor als Retter von Carlsen bezeichnet wurden, weil die Mangas in den 1990er Jahren für einen Umsatzboom gesorgt hatten, der den Verlag wieder in die schwarzen Zahlen befördert hatte. Als Frau ist man doch immer erstaunt, wie gerne männliche Vertreter der Fans auf einen herabblicken. Da ich mich allerdings in allen Bereichen bewege und nicht nur auf die Mangas spezialisiert habe, darf ich berichten, dass mir glücklicherweise nie dermaßen negativ begegnet wurde, wie ich es schon aus anderer Quelle gehört habe.

Spannend war zu hören, dass sich Carlsen entschlossen hat, die „Clever & Smart“-Reihe 2018 neu auf den Markt zu bringen. Das wird sehr viele Freunde dieses Humors begeistern, die schon lange nach einer Neuauflage suchen.

Etwas besorgniserregend war der Hinweis, dass wir uns in einer Phase der Überproduktion von Comics befinden, die wie damals in den 1990er Jahren platzen könnte. Lassen wir uns überraschen, was diesmal den Markt retten wird.

In der Alten Kongresshalle gab es auch eine Ausstellung zum Thema „Drei Steine“, eine Graphic Novel von Nils Oskamp, die sich um Neonazis und das Erbe des Dritten Reichs dreht und äußerst lesenswert ist.

Comicfestival2017-Schmiedbauer

Christian Schmiedbauer

Im ersten Stock befanden sich die Zeichnerstände, von denen Christian Schmiedbauer mit seinem „Kauboi und Kaktus“ eine sehr unterhaltsame Serie präsentierte.

Natürlich habe ich auch ordentlich eingekauft, u.a. eine Leseempfehlung für „Silver“ von Stephan Franck, der bei Schreiber & Leser erschienen ist. Ein Ganovenstück à la „Ocean’s Eleven“, bei dem es um Silberbarren, Vampire und einen gewitzten Helden geht. Die Reihe wird mit vier Bänden abgeschlossen sein, von denen bisher zwei erschienen sind. Auch „Gil St. André“ von Jean-Charles Kraehn ist einen genaueren Blick wert, denn die Mischung aus Mystery, Krimi und Thriller ist so packend, dass man einfach nicht aufhören kann zu lesen.

Mit einer Menge neuer Eindrücke und Lesestoff hieß es dann Abschied nehmen und ab nach Hause.

Nächstes Jahr geht es wieder nach Erlangen, so dass wir uns wieder auf eine Menge toller Veröffentlichungen und Ausstellungen freuen dürfen!

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