HeadshotMyke Cole ist der Autor der Military Fantasy-Serie „Shadow Ops“.Indem er seine Erfahrungen beim Militär mit seiner Liebe zu Fantasyromanen verbindet, ist es ihm gelungen, eine Welt zu erschaffen, die sich nicht sehr von unserer unterscheidet, aber Magie besitzt. Glücklicherweise hat er sich für Lazy Literature die Zeit genommen, einige Fragen zu beantworten. (Foto: Copyright Tim Lundin)

Inwiefern hilft Ihnen Ihre Erfahrung beim Militär dabei, Ihre Romane zu schreiben?

Die offensichtliche Antwort wäre, dass sie mir eine authentischere Schreibe bei der Darstellung von militärischen Szenen verleihen. Aber die weniger offensichtliche Antwort lautet, dass diese Erfahrungen mir die Stärke und die kalte Willenskraft gegeben haben, die man braucht, um sich gegenüber schlechten Chancen behaupten zu können – und genau das ist es, was es heißt, einen Buchvertrag zu erhalten. Man hat eine größere Chance, vom Blitz getroffen zu werden. Ich meine es vollkommen ernst, wenn ich sage, dass ich nie ein Schriftsteller geworden wäre, wenn ich nicht beim Militär gewesen wäre. Darüber habe ich einen zweiteiligen Aufsatz geschrieben. Der erste Teil ist hier zu finden (englisch).

Welche Fähigkeit würden Sie haben wollen, wenn Sie sich eine der verschiedenen Magiearten aussuchen könnten, die es in Ihren Romanen gibt?

Diese Frage erhalte ich oft, und niemand mag meine Antwort darauf. Die Wahrheit ist, dass im „Shadow Ops“-Universum latent zu sein, d.h. die Fähigkeit zur Magie zu besitzen, gleichbedeutend damit ist, außerhalb der Gesellschaft zu leben. Zauberer werden respektiert und gefürchtet, aber niemand will mit einem ausgehen, niemand möchte einen davon zum Essen einladen. Ich bin jemand, der es liebt, in Gesellschaft zu sein. Teil der Gesellschaft zu sein, von gesellschaftlichen Einrichtungen, ist absolut notwendig für meine geistige und emotionale Gesundheit. Latent zu sein würde bedeuten, außerhalb der Gesellschaft zu stehen. Das würde mich umbringen.

War es geplant, mehr als ein Buch zu schreiben?

Darüber habe ich nie nachgedacht. Ich hatte mich darauf konzentriert, ein einziges Buch perfekt hinzubekommen. Ich wusste, dass nichts unterhalb dieses Standards zu einem Verkauf führen würde. Ich dachte mir, dass ich eben so viele Bücher schreiben werde, wie gekauft werden, wenn ich nur das eine verkaufe. Aber der Hauptfokus lag immer auf dem einen Buch. Ich glaube, das war sehr hilfreich dabei, mich voranzubringen.

Fitzy ist ein sehr unangenehmer Charakter. Hatten Sie einen Trainer wie ihn und falls ja, wie haben Sie es geschafft, diese Erfahrung zu überstehen?

Fitzy mag ein unangenehmer Typ sein, aber er ist ein sehr effektiver Lehrer. Militärtraining ist dazu geschaffen, einen in Situationen zu bringen, die die eigenen Grenzen testen. Man muss dazu willens sein, Anweisungen von Leuten anzunehmen, die man hasst. Besonders von Leuten, die man hasst. Persönliche Animositäten dürfen in der Mitte eines Feuergefechts nicht die Kommandostruktur unterbrechen. Fitzy war eine Zusammenstellung vieler Trainer, die ich hatte. Einige davon hasste ich (weil ich wusste, dass sie mir wirklich Übles wünschten), und einige davon liebte ich (weil ich wusste, dass sie wollten, dass ich gewinne, selbst während sie mich anschrien). Aber in allen Fällen bin ich mit ihnen auf eine einzige Art und Weise umgegangen: Ich hörte zu. Ich gehorchte. Ich lernte. Und ich wurde besser.

Ein guter Rat.
Marty der Goblin zeigt, dass nicht alle Kreaturen in der anderen Welt gleich sind. Ihr Held Oscar Britton lernt das, als er die Kontrolle über seine Magie beigebracht bekommt. Wie haben Sie selbst das gelernt?

Ich werde nie vergessen, wie ich das erste Mal im Irak ankam und in indirektes Feuer der Jaish al-Mahdi geriet. Die Mahdi-Krieger sind Shi’a, die für ihren Führer Muqtada al-Sadr kämpfen. Ich kam in den Irak, um gegen al-Qa’ida, eine sunnitische Extremistengruppe, zu kämpfen. Sie hassen die Shi’a. Letztere waren eine komplett andere Volksgruppe, über die ich so gut wie nichts wusste, und dennoch befand ich mich im Kampf mit ihnen. Damals verstand ich wirklich, wie unglaublich kompliziert der Krieg war. Viel davon steckt in den frühen Erfahrungen, die Britton in der fremden Welt macht.

Welche Bücher und Autoren haben Sie am meisten geprägt?

Das ist unmöglich zu beantworten. Es gibt einfach so viele davon. Da war T.H. White mit seinem „Der König auf Camelot“. Lloyd Alexander – bekannt für seine Romane über Taran den Schweinehirten. Da waren Brooks und Tolkien und Piers Anthony. John Christopher. Francois Rabelais. Martin und Lawrence und Abercrombie und Lynch und Polansky und Novik und Hobb und Scalzi und Campbell und sogar dieser furchtbare Kerl Orson Scott Card. An der Spitze? Da steht mein Bruder und bester Freund, Peter V. Brett. Wenn Ihr noch nicht „Das Lied der Dunkelheit“ ausprobiert habt, solltet Ihr alles liegen und stehen lassen, was Ihr gerade tut, und es lesen.

Erhalten Sie Fanpost aus Deutschland?

Manchmal, und es erstaunt mich immer wieder zu wissen, dass ich Menschen in einer anderen Sprache erreiche, die so viele Meilen entfernt leben. Ich liebe es von meinen deutschen Fans zu hören und beantworte jede E-Mail. Ich freue mich über Post.

Welche Romane/Comics/Hörbücher würden Sie empfehlen und lesen Sie selbst im Moment?

Lassen Sie mich jeweils einen Titel nennen. Ich habe schon Petes Buch empfohlen, daher würde ich Daniel Polanskys „Der Herr der Unterstadt“ (Low Town) der Liste hinzufügen. Es ist düster und lustig und grauenvoll und erschütternd, und er ist einer der besten neuen Autoren seit langer, langer Zeit in der Fantasy. Bei Comics solltet Ihr Joe Hills „Locke & Key“ (Locke and Key) ausprobieren. Das ist eine großartige Mischung von Horror, Drama und Fantasy in einer frischen Umsetzung. Wenn ich es lese, fühle ich mich wieder wie 14 Jahre alt. Momentan lese ich ein Vorabexemplar von Scott Lynchs „Die Republik der Diebe“ (Republic of Thieves). Wenn Ihr „Die Lügen des Locke Lamora“ (The Lies of Locke Lamora) noch nicht gelesen habt, solltet Ihr das nachholen.

Was dürfen Ihre deutschen Leser vom dritten Roman der Shadow Ops „Breach Zone“ erwarten und was ist Ihr nächstes Projekt?

Leider erstreckt sich mein Vertrag mit Piper bisher nur auf die ersten beiden Romane „Kontrollpunkt“ und „Grenzfeste“. Hoffentlich werden wir irgendwann mal „Zonendurchbruch“ haben. Setzt die Herren dort ein wenig unter Druck für mich, ja? Ich arbeite momentan an einem Fantasy-Roman im düsteren Mittelalter mit einer jungen Heldin. Der Arbeitstitel lautet „The Fractured Girl“ (etwa: Das gebrochene Mädchen), und ich habe ungefähr 40.000 Worte dafür geschrieben.

Möchten Sie Ihren Lesern noch etwas mitteilen?

Ja. Ich liebe Deutschland. Vor Jahren habe ich immer mal wieder Aufträge in Grafenwöhr erledigt. Während dieser Zeit lebte ich in Weiden und habe mich vollkommen in diesen Ort verliebt. Ich habe mich noch nie in einem fremden Land so Zuhause gefühlt wie in Deutschland. Ich habe ein großartiges Wochenende in Nürnberg verbracht, das immer noch als eines der besten in meinem Leben in meiner Erinnerung verankert ist. Ich träume davon zurückzukommen und bin so verrückt zu glauben, dass mein Schreiben mir eines Tages die Möglichkeit geben könnte. Vielen Dank, dass Ihr meine ins Deutsche übersetzten Romane lest.

Vielen Dank für das Interview.

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